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Projektwoche im Freiberg-Kolleg
vom 15. bis 19. November 2004

- Vorstellung des Islams -

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Inhalt.

- Einleitung zum Projekt
- Entstehung und Verbreitung
- Religiöse Grundpflichten
- Die Frau im Islam
- Arabische Lyrik
- Rechtsschulen
- Theologie-Gruppen
- Ein marokkanisches Rezept
- Impressum und Hinweise
- Quellenangaben
- Linkliste

 

Einleitung zum Projekt.

Wenn man sich das abgrenzende Desinteresse gegenüber fremden Kulturen, das so manche Personen durch ihre subjektive Verschlossenheit in ihrem Verhalten deutlich offenbaren, einmal genauer betrachtet, könnte man denken, dass einige (evtl. gar viele) Menschen der westlichen Industrienationen scheinbar glauben, sie würden die ewige "Vorherrschaftsstellung" (im Sinne von unantastbare "Leitkultur") in der gesamten Welt besitzen. Durch verschiedene Bilder aus Kriegsgebieten des mittleren Ostens, in denen die Überlegenheit des westlichen Waffenapparats präsentiert wird, fühlen sie sich in der Regel in dieser Annahme bestätigt. Es mag sein, dass die kriegerische Stärke wohlmöglich gar in "westlicher Hand" liegt, doch die Kraft der Demographie (Bevölkerungsentwicklung) liegt eindeutig in der anderen.
Persönlich hatte ich, Robert Matthees, vor geraumer Zeit ein sehr interessantes Gespräch mit einem Marokkaner. Er, der in Agadir und Hamburg Philosophie studiert hat, ist durchaus kein Extremist oder fanatischer Muslim - was man auch immer genau darunter verstehen mag. Doch sagte er mir nicht nur, dass der Islam (zu deutsch: Hingabe in den Willen Gottes) "siegen wird" - er nannte mir sogar ein genaues Datum: 2030.
Jeder Soziologe wird es bestätigen, dass der Islam die neue Weltreligion geworden ist bzw. - in Anbetracht der demographischen Situation - sich auf dem besten Weg dazu befindet; zu einer beachtlichen Parallelkultur ist er in Europa bereits angewachsen.

Daher ist Information notwendig, um ein interessiertes und aufgeschlossenes Verständnis für die fremde Kultur zu entwickeln, damit künftig eine Integration in Form eines gemeinsamen beidseitigen Konsens ermöglicht werden kann.

Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, versucht die folgende Arbeit einige wichtige Hinweise zum Thema zu geben. Viel Freude beim Lesen!

(Inhalt)

 

Entstehung und Verbreitung.

Nach dem Tod Muhammads, dem Propheten und Begründer des Islams, 632 unserer Zeit, stand die Anhängerschaft seiner Lehre vor großen Problemen. Die Gemeinde des Islams, welche sich damals in Medina befand, verlor die arabischen Wüstenstämme, die noch vor Muhammads Tod dem Islam angehörten, sich jedoch nun lossagten. Hierdurch standen die Nachfolger des Propheten, die Kalifen, unter dem Handlungszwang, ihre Gemeinschaft zu erhalten und ihre Macht im Raum Syrien und Irak auszudehnen. Weiterhin benötigten sie fruchtbareres Land für ihre eigenen Leute.
Die abgefallenen arabischen Stämme wurden in Folge dieser ersten Expansion wieder angeschlossen bzw. dem Glauben unterworfen. Dies geschah unter dem Kalifen Abu Bakr. Die ersten Feldzüge außerhalb Arabiens wurden von seinem Nachfolger Umar (632-634) durchgeführt. Ihm gelang es Damaskus (635), Syrien, Jerusalem (638), Irak, Teile Persiens (ab 638), sowie Ägypten (638-642) zu erobern. Uthman, der darauffolgende Kalif, verbreitete hauptsächlich die Lehre des Islams, also den geistigen Inhalt der heiligen Schriften. In seiner Führungszeit wurde ganz Persien unterworfen. In der Folgezeit kam es unter den Mächtigen der Glaubensbewegung zu Konflikten, was zur Herausbildung der verschiedenen Untergruppen führte, wie den Shiiten, Sunniten, Karadjiten. Mit Muàwiya beginnt die Zeit des erblichen Kalifats. Diese Herrscher wurden Umayyaden genannt und gaben die Machtprivilegien an ihre Nachkommen weiter.
Ab 700 wurde eine verschärfte Arabisierung im Verwaltungsapparat durchgeführt, was die Unabhängigkeit von den Diensten der Juden und Christen gewährleistete. Der Islam setzte sich weiterhin in ganz Nordafrika bis ins Innere Spaniens durch (711-717). Im Osten drangen die Muslime ohne größeren Widerstand nach Nordindien und bis nach Zentralasien in China vor. Die Osmanen, ebenfalls Muslime, rückten im 13. bis 17. Jahrhundert in Mitteleuropa ein; sie wurden vor den Toren Wiens zurückgeschlagen. Im Osten dehnte sich das islamische Einflussgebiet durch die Dynastie der Großmoguln aus.
Jedoch erfuhr die Glaubensverbreitung nicht nur Ausdehnung. Teile Nordafrikas und ganz Spanien fielen an christliche Eroberer zurück. Im 19. Jahrhundert wurden viele islamische Länder vom Westen zu Kolonien gemacht. Auch das Osmanenreich zerfiel nach dem ersten Weltkrieg. In der Gegenwart sind die meisten islamischen Länder wieder unabhängig geworden. Die islamischen Gemeinden erfahren derzeit weltweit eine Unterstützung durch die reichen orientalischen Ölförderländer zum Bau von Koranschulen und Moscheen, man spricht daher auch von einer Erweckungsbewegung.

(Inhalt)

 

Religiöse Grundpflichten.

Nach einem Ausspruch des Propheten beruht der Islam auf fünf grundsätzliche Pflichten, "die fünf Säulen":
 
1. Das Glaubensbekenntnis ("schahâda")
"Aschadu an lâ ilâha illâ Llâh, wa aschhadu anna Muhammad rasûlu Llah." ("Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und Muhammed ist der Gesandte Gottes.")
Diese im gesamten islamischen Kulturkreis auf Arabisch gesprochenen Worte sind für jeden Muslim, gleich welcher Gruppierung er angehört, gültig und begleiten ihn sein Leben lang. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Gebets. Mit dem Aufsagen der schahâda bezeugt der Gläubige die Einheit Gottes und alles Geschaffenen sowie die Rechtmäßigkeit der Sendung des Propheten. Wenn ein Nicht-Muslim die schahâda dreimal vor Zeugen in freiem Willen, bewusst und aufrichtig spricht, bekundet er damit seinem Übertritt zum Islam. Dieser Schritt kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.
 
2. Das Gebet ("salât")
Die nach spirituellen als auch gesetzlichen Gesichtspunkten zweitwichtigste Pflicht ist das tägliche rituelle Gebet. Es ist in allen Einzelheiten festgelegt und muss tunlichst in Gemeinschaft und fünf mal pro Tag verrichtet werden - und zwar:
1. zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang,
2. wenn die Sonne ihren Zenit erreicht hat,
3. am mittleren Nachmittag,
4. bei Sonnenuntergang und
5. im Verlauf des Abends vor dem Schlafengehen.
Von dieser Pflicht entbunden sind Kranke, Altersschwache, Geistesbehinderte sowie unter gewissen Umständen, Reisende.
Bedingungen sind neben Sauberkeit der Kleidung und des Ortes (weshalb der Boden möglichst mit einem Teppich bedeckt sein sollte) die kultische Reinheit des Betenden. Diese wird nur im Falle von Unreinheit unmittelbar vor Beginn durch eine Waschung gewährleistet, die ebenfalls durch besondere Riten durchgeführt wird. Ist der Ruf des Muezzin, der adhâh, erschallt und die Gemeinde in der Moschee versammelt, stellen sich die Betenden mit dem Gesicht Richtung Mekka in Reihen auf, wobei eine strikte Geschlechtertrennung zu beachten ist. Begonnen wird die Andacht aufrecht stehend. Weiter lässt er sich zweimal auf die Knie nieder um mit der Stirn den Boden zu berühren. Jedes Gebet setzt sich aus mehreren solcher Bewegungszyklen zusammen und wird immer durch zitieren von Koranstellen begleitet. Anschließend spricht der Gläubige die schahâda und sagt zu seinem Gebetsnachbarn "Salam alaikum", d.h. "Der Friede sei mit dir." oder auch "die Barmherzigkeit Gottes" (auf diese Weise sagt man sich übrigens auch "Guten Morgen", "Guten Tag" u.s.w.). Während dessen liest der Imâm den Koran vor und hält bestimmte Reden. Diesen kann man am besten mit einem christlichen Prediger vergleichen, jedoch benötigt man keine Ausbildung, um dieses "Amt" anzutreten.

3. Die Almosensteuer ("zakât")
Diese dritte Pflicht erfüllt man, indem man seinen irdischen Besitz mit weniger begüterten oder mittellosen Glaubensbrüdern teilt. Diese ist eine gesetzliche Steuer, die auf einem genau definierten Prozentsatz festgelegt ist. Zu bezahlen ist sie von jedem volljährigen, gesunden und freien Muslim. Dadurch wird der Besitzende zu sozialem Verantwortungsgefühl und zur Dankbarkeit gegenüber Gott angehalten - für seine Möglichkeit, in Wohlstand leben zu können.

4. Das Fasten ("saum")
Dieses rituelle Fasten wird im neunten Monat des islamischen Mondkalenders von volljährigen und gesunden Muslimen 30 Tage lang eingehalten. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen sie weder Nahrung, Getränke noch Genussmittel zu sich nehmen. Heute wird die Abstinenz am Tage durch üppige Festmahle in der Nacht ausgeglichen - es ist durchaus empfehlenswert, in dieser Zeit einmal ein arabisches Restaurant zu besuchen, gelegentlich wird man sogar kostenfrei bewirtet. Davon befreit sind Altersschwache, Kinder und menstruierende Frauen. Schwangere, Stillende, Reisende und Schwerarbeiter dürfen ihr Fasten verschieben und müssen es später nachholen oder bei Versäumnis eine besondere Sühne leisten. Der Gläubige erinnert sich während dem Verzicht dankend der Gaben des täglichen Lebens. Zugleich ist der Fastenmonat Ramadân eine Zeit der Güte, der Buße und Versöhnung. Weiter soll in dieser Zeit Frieden gestiftet werden und ein Brauch sieht kostenlose Speisung von Armen vor. Abschlu! ss bildet das "kleine" Fest des Fastensbrechens.

5. Die Wallfahrt nach Mekka ("haddsch")
Jeder Muslim, jede Muslime muss – vorrausgesetzt, Gesundheit und finanzielle Mittel gestatten es – zumindest einmal im Leben diese Reise zum religiösen Mittelpunkt des Islams gemacht haben. Diese wird während dem letzten Monat des islamischen Mondkalenders und immer in Gemeinschaft zahlreicher Glaubensbrüder und –schwestern unternommen.
Rituelle Grundbedingungen für die Gültigkeit der Wallfahrt ist, dass man sie im Zustand einer besonderen Weihe absolviert. Diese verbietet dem Pilger, sich zu rasieren, zu kämmen, zu parfümieren sowie die Haare und Nägel zu schneiden. Auch die Jagd, Streitigkeiten und Sexualkontakt sind verboten. Weiterhin muss der Pilger an der Grenze zum heiligen Bezirk seine Alltagskleidung ablegen und ein spezielles Gewand anlegen. Dieses besteht aus zwei ungenähten weißen Tüchern, die um die Schulter und Hüften gewickelt werden. Es müssen Sandalen getragen werden und Kopfbedeckungen sind verpönt. Zweck ist, seine Merkmale seiner diesseitigen Existenz abzulegen. Das anonyme Eintauchen in die ungemein große Pilgerschaft wird von den Teilnehmern als emotional tiefes Erlebnis empfunden.
Die eigentliche Zeremonie beginnt mit dem siebenmaligen Umwandern der Ka’ba (zu deutsch: Würfel; dieses schwarzfarbene Monument, das man aus dem Fernsehen kennt). Dabei spricht der Pilger persönliche Gebete und das letzte vor der Ka'ba. Im Anschluss ist siebenmal im Laufschritt der Weg zwischen den nahegelegen Hügeln Safâ und Marwa zurückzulegen. Hierauf trinkt man aus jenem heiligen Brunnen namens Zamzam. Am nächsten Tag versammeln sich die Pilger in der 20 km außerhalb von Mekka gelegenen Ebene von "Arafât", wo die Zeit mit Meditationen und Anrufungen an Gott verbracht wird. Der gemeinsame Lauf zurück Richtung Mekka wird auf halbem Weg, in Muzdalifa, für die Nacht unterbrochen. Am nächsten Morgen muss im benachbarten Ort, Mîna, jeder Pilger sieben Steinchen auf drei Steinhaufen werfen, d.h. eine symbolhafte Steinigung des Teufels durchführen. Es folgt - in Erinnerung an das Opfer Abrahams - die rituelle Schlachtung einer Ziege, eines Schafes oder Kamels, wobei ei! ne größere Pilgergruppe ein Tier opfert und das Fleisch den Armen überlässt.
Danach beendet der Pilger seinen Weihezustand, indem er sich seine Haare schneiden lässt. Anschließend kann er baden, sich reinigen und wieder Alltagskleidung tragen. Die Zeit bis zur Heimreise wird mit dem Besuch des Grab Muhammeds in der Stadt Medina verbracht. Dieses ist wie Mekka und der Bereich rund um diese beiden Städte für jedem Nicht-Muslime eine ganzjährig und ausnahmslos verbotene Zone.

(Inhalt)

 

Die Frau im Islam.

Der Koran legt auf eine gute Behandlung der Frau wert und erlaubt Ehefrauen im Fall einer schlechten Behandlung, sich scheiden zu lassen. Der Prophet Allahs sagte: "Der ist von euch der beste Muslim, der seine Frau gut behandelt." Doch in diesem Punkt halten sich die Muslime eher an die Tradition, als an den Koran. Wenn die Frau sich scheiden lässt, ist sie ohne Einkommen und Versorgung und muss zurück zu ihren Eltern, wobei sie in der Regel aus der Gesellschaft ausgestoßen wird.

Die Aufgaben einer Ehefrau sind, den Haushalt zu führen und die Kinder zu erziehen. Außerdem hat sie sich um das Wohl der Familie zu kümmern. Trotzdem sind viele Frauen mit ihrem Leben glücklich - weil sie nichts anderes kennen.
Im Koran steht, dass die Frau das Recht hat - wie ein Mann - Bildung zu erlangen und sie darf nicht gegen ihren Willen zur Heirat gezwungen werden, sie hat das Recht auf Scheidung und darf nicht einfach verstoßen werden, sie ist nicht die Dienerin ihres Mannes usw., aber in Wirklichkeit sieht es fast immer anders aus, oft ist das ganze Gegenteil der Fall. Dazu kommt, dass die Frau keine Bestimmungsrechte hat. Sie muss sich verschleiern, da der Koran sagt: "sage auch den gläubigen Frauen, daß sie ihre Augen niederschlagen und sich bewahren sollen vor Unkeuschen und dass sie nicht ihre Zierde (ihren nackten Körper, ihre Reize) außer nur was notwendig sichtbar sein muss, entblößen und dass sie ihren Busen mit dem Schleier verhüllen sollen" - und sie darf fremden Männern nicht in die Augen schauen.
Wenn Gäste zu Besuch sind, muss sie die bedienen, wenn es sich jedoch um Gäste ihres Mannes handelt, darf sie nicht dabei sein.
Ein Mädchen ist mit 9 Jahren heiratsfähig und muss bis dahin unberührt bleiben. Bis sie heiratet, wird sie von ihren Brüdern - egal ob diese jünger oder älter sind - überwacht. Brüder dürfen auch über ihre Schwester bestimmen.
Im Allgemeinen sind Mädchen bzw. Frauen nach unseren Vorstellungen und Gewohnheiten im Islam stark benachteiligt; natürlich gibt es Ausnahmen.

In islamischen Gesellschaften sind bestimmte weibliche Tugenden - wie Keuschheit und Unberührtheit - so verinnerlicht, dass kaum ein Mädchen eine andere Lebensweise wagt. Wenn es nicht jungfräulich geblieben ist, droht Bestrafung: Wenn die Sache bei der Heirat herauskommt, verfällt die Braut moralischer Ächtung. Auf jeden Fall muss sie mit der Scheidung rechnen.

In vielen Ländern - wie zum Beispiel Äthiopien, Ägypten, Sudan, Somalia - werden - trotz offiziellem Verbot - Frauenbeschneidungen durchgeführt. Wenn die Frau nicht beschnitten ist, wird sie von der Familie als unnormal betrachtet. Dieses hat gewaltige Bedeutung in Bezug auf Erwünschtheit einer jungen Frau zur Heirat. Außerdem wird geglaubt, dass die unmenschliche und unglaublich schmerzhafte Beschneidung der weiblichen Geschlechtsorgane Sauberkeit und Keuschheit garantiert.

Das Leben einer muslimischen Frau steht unter starkem Einfluss patriarchaler Tradition. Zu der islamischen Welt gehören allerdings fast eine Milliarde Menschen und 48 Staaten in Asien und Afrika. Sie haben sehr unterschiedliche Gesellschaftsformen und Rechtsnormen, weshalb man sich vor einer Generalisierung hüten muss. Die Stellung der islamischen Frau in Lybien ist sicherlich nicht vergleichbar mit der Frau im recht westlich orientiertem Iran.

(Inhalt)

 

Arabische Lyrik.

Es folgen neun sehr lesenswerte Beispiele aus der modernen arabischen Dichtung:

"Ich träumte von einem Feuer,
Das nur Feuer ist
Und nicht brennt."

(Fâdî Abû Khalîl, Libanon, geb. 1958)

"Ein einzelner für einen Kranken
Zurückgelassener Stuhl,
Das ist Hoffnung."

(Abbâs Baidûn, Libanon, geb. 1945)

"Wir sind geworden
Wie der Schlamm in der Tiefe des Brunnens:
Unfähig, uns im Wasser zu spiegeln."

(Salâh Abd as-Sabûr, Ägypten, 1931 - 1981)

"Wer auch immer du bist:
Ich bin dir viel näher als fremd!"

(Andrée Chedid, Ägypten, geb. 1920)

"Wenn der Schnee
Der Sonne seine Liebe erklärt,
Schmilzt er vor Scham."

(Husain Bin Hamzah, Syrien, geb. 1965)

"Ein Mann und eine Frau im Bett,
Ein schamhafter Mond am Fenster."

(Faradj al-Ishshah, Libyen, geb. 1955)

"Der Tod lauert.
Das Leben auch. . ."

(Abdellatif Laâbi, Marokko, geb. 1942)

"O Henker!
Du kannst zurück in dein Dorf:
Wir haben dich heute verjagt
Und dein Amt abgeschafft."

(Sargon Boulus, Irak, geb. 1944)

"Jedes Mal, wenn einer gestorben ist,
Wäscht sich Gott die Hände."

(Abd al-Qadir al-Djanâbî, Irak, geb. 1944)

(Inhalt)

 

Rechtsschulen.

Zu Lebzeiten Muhammads galt die von ihm verkündete "Göttliche Offenbarung" als absolute Grundlage des Gesetzes. Die von ihm getroffenen Entscheidungen bzw. Stellungnahmen wurden zu verbindlichen Rechtsvorschriften erhoben.
Nach seinem Tod waren es seine Anhänger, welche diese Anweisungen mit Hilfe von Übereinstimmung oder mit der Methode der Analogie anwandten. Diese beiden Verfahren verloren jedoch im Laufe der Zeit an praktischer Wirkungskraft, da - durch neue gesellschaftsbedingte Gegebenheiten - Vergehen bzw. Sachverhalte verhandelt werden mussten, die zu Lebzeiten Muhammads nicht denkbar waren. Daher etablierten sich verschiedene Rechtsschulen. (Ein Richter ist übrigens kein direkter "Amtsinhaber", sondern in der Regel einfach eine Person, die im Koran sehr belesen ist.)

Die Schule der Hanafiten beruft sich auf Abû Hanîfa (697-767), der vermutlich in Persien geboren wurde. Er bemühte sich darum, aus dem Gesamtwerk des Korans die gesicherten Inhalte, d.h. jene Stellen herauszusuchen, die seines Erachtens zweifelsfrei von Muhammad selbst stammten und nicht von seinen Anhängern nach freiem Empfinden in den Text eingefügt wurden. Hanîfa sprach - neben den beiden bekannten Methoden - dem persönlichen Urteil des Richters eine rechtswirksame Bedeutungskraft zu. Daher wird ihm oft vorgeworfen, er habe die Wissenschaft der juristischen Kniffe zur Umgehung der Gesetze erschaffen.

Die Mâlikiten sind nach Mâlik ibn Anas (708/715-795) benannt, dessen Großvater sich bereits mit der Sammlung islamischer Lehren beschäftigt hatte. In dem Gesetzbuch, das er hinterließ (übrigens das älteste aus der islamischen Welt, welches uns "erreicht" hat), sind die Grundsätze und Richtungen seiner Schule festgelegt. Diese orientieren sich strikt an den Traditionen der islamischen Frühgemeinde in Medina. Nur in seltenen Fällen wurde das persönliche Urteil angewendet.

Von einem Schüler Mâliks wurde die Rechtsschule der Shâfi‘iten ins Leben gerufen. Der Theoretiker al-Shâfi‘i (767-820) bemühte sich um einen Mittelweg zwischen den konservativen Mâlikiten und denen, welche die Möglichkeit anstrebten, eigene Gesetze erlassen zu können und dem individuellen Urteil Berechtigung beigemessen hatten. Außerdem forderte er eine logisch strenge Anwendung der Analogie.

Letztlich soll noch das System der Hanbaliten beleuchtet werden (andere kleine Schulen nehmen in der arabischen Welt nur einen sehr geringen Anteil ein - zu anderen größeren Theologie-Gruppen stehen im nächsten Kapitel noch einige Worte geschrieben). Nach Ahmad ibn Hanbal (780-855) ist die Grundlage des Rechtes vor allem anderen der Koran - und zwar ohne Eingriffe und Umdeutungen. Er wehrte sich gegen die Anwendung des eigenen Urteils ebenso wie gegen die Methode der Analogie, da dies als Instrument zur Innovation und zur theoretischen Systematisierung der Lehre genutzt werden könnte. In allen ungeklärten Fragen lässt er Großzügigkeit walten: Es ist nur das verboten, was im Koran und der Tradition eindeutig verboten wurde - alles andere ist erlaubt.

(Inhalt)

 

Theologie-Gruppen.

So wie das Judentum oft als die "Religion der Hoffnung" betitelt wird, so nennt man das Christentum "Religion der Liebe" und den Islam "Religion des Glaubens".
In der zweiten Sure (Kapitel) des Korans kann man nämlich lesen: "Dieses Buch - es ist vollkommen, nichts ist zu bezweifeln". [...] "Die Gläubigen wissen, dass nur Wahrheit von ihrem Herrn kommt."
Man könnte also denken, da der Koran ja Ratschläge für alle Lebensbereiche - wie Familie, Staat, Wirtschaft usw. - beinhaltet, dass es nur einen Islam gibt, da ja nichts zu bezweifeln ist, es also keine Fragen gibt, die aufgeworfen werden können. Dies ist auch tatsächlich eine (irrige) Meinung, die heute allzu gern von einigen Medien verbreitet wird. Diese sind dabei leider - bewusst oder unbewusst - offenbar darum bemüht, ein großes Feindbild aufzubauen, indem sie nur die extremen Gruppierungen in ihren Berichten betrachten. Dass dies eine Integration von Immigranten aus dem Orient hierzulande nahezu unmöglich macht, da jeder Angst und Abstand gegenüber den "Fremden" empfindet, ist eine Tatsache, die sie offenbar verdrängen bzw. nicht ernst zu nehmen scheinen.
Der Koran ist jedoch nicht die Religion selbst, sondern nur Träger oder Vehikel derselben, welcher diese in Form der Sprache vermittelt. Und dass die Sprache der Menschen mehrdeutig ist, das wird sicherlich niemand - selbst kein Medienmacher - bezweifeln wollen.
Manche "Islam-Richtungen" sind bspw. der Überzeugung, dass der Universalitätsanspruch, von dem ja im Koran geschrieben wird, nur für die eigene Person gültig, d.h. nur auf das eigene Denken anzuwenden ist. Zwar mag dies durchaus ein starres Dogma sein, das unserem europäischen aufgeklärten Gemüt zum Teil befremdlich erscheinen mag, doch können oder dürfen wir es deshalb einfach so allgemein und pauschal verurteilen? Ich denke nicht - oder um es mit den Worten von Johann Gottfried Herder auszudrücken: "Jede Nation hat den Mittelpunkt ihrer Glückseeligkeit in sich, wie jede Kugel ihren Schwerpunkt!" Und erinnern wir uns doch mal an das erste christliche Gebot (siehe 5. Buch Mose, Kapitel 5), das evtl. ein wenig eher von unserem abendländischen Gemüt mit weniger Vorurteilen geprüft werden kann: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." Ohne Worte.
Jedenfalls entstanden im Islam auch - genau wie im Christentum - Auslegungsfragen (die erste betraf übrigens die Nachfolge Muhammads) und durch diese unterschiedliche Lehrmeinungen, verschiedene Gruppen.

Die Kharidjiten (auch Ibaditen genannt) meinen zum Beispiel, dass die Führung der Gemeinschaft dem besten und fähigsten Gläubigen übertragen werden soll.

Die Sunniten, welche heute die Mehrheit der Muslime darstellen, sind dagegen davon überzeugt, dass der Khalif unbedingt aus dem Stamm Muhammads kommen muss, um die Gemeinde mit Recht und Würde regieren zu können. Neben der übereinstimmenden oder akzeptierten Meinung der Gemeinschaft bildet der Koran und die Sunna, d.h. der im Hadith (das Schriftstück neben dem Koran) überlieferte Lebensweg Muhammads, die Grundlage dieser Gruppierung. Sie bezeichnen sich selbst als die Gruppe der Orthodoxie - meines Erachtens wäre die Bezeichnung, eine Gruppe der Orthodoxie, treffender (für alle, denen dieses Wort unbekannt ist - ein Beispiel aus dem alten Testament: Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben, weil sie vom Baum der Erkenntnis gegessen haben. Seitdem wird der Eingang des Garten Edens von zwei Engeln mit feurigen Schwertern bewacht. Manche Theologen sehen dies als geschichtliches Ereignis an, andere - nicht so streng orthodoxe - dagegen als mystisches Symbol, das es! zu entziffern gilt. Man sagt beispielsweise, dass durch dieses kleine Kapitel im 1. Buch Mose ausgerückt werden soll, dass der Mensch durch seine Fähigkeit selbst Entscheidungen zu treffen (zwischen gut und böse, warm und kalt, hell und dunkel usw.) aus dem Zustand der passiven Naturverbundenheit gelöst wurde und auch nicht mehr in diesen ursprünglichen, "tierähnlichen" Zustand zurückkehren kann, da er nun seine individuelle Vernunft, seine ergründende ästhetisch-logische Einsicht, besitzt.)

Zurück zum Thema. Die Shî'iten halten - als zweitgrößte Gruppe im Islam - ebenfalls am Grundsatz fest, dass der Kalif blutmäßiger Abstammung von Muhammad sein muss. Der eigentliche Führer der Gemeinschaft stellt nach ihrer Auffassung jedoch der Imâm dar, welcher durch ein göttliches Gebot eingesetzt wurde. Dieser hätte sein "Amt", nach shî'itischer Auffassung, durch eine besondere Einweihung von Muhammad und dank einer besonderen Erleuchtung von Gott erhalten. Oft wird diese Gruppe in der islamischen Welt verfolgt, weshalb man das Prinzip der taqiyya befürwortet, d.h. das Verbergen des eigenen Glaubens als Schutzmaßnahme.

Der Lehren der Mu'taziliten (oder Mu'tazila) erinern zum Teil an die Philosophie Immanuel Kants, nach dem Gott von der menschlichen Vernunft mangels Gesamtsicht der Dinge postuliert wird (d.h. aus einer kausalen Denkforderung entsteht, weil die Neugierde auch den ersten Anfang und das letzte Ende in Erfahrung bringen will). Sie gehen jedenfalls davon aus, dass der Mensch ein von Gott mit Vernunft ausgestattetes Lebewesen ist und daher auch die Pflicht hat, diese kritisch zu gebrauchen und sich nicht mit dem Glauben an eine positive Offenbarung zu begnügen. Nach mu'tazilitischer Auffassung muss die Konfession mit rationalen Beweisen hinterfragbar sein. Einige ihrer wichtigsten Lehrsätze lauten:
Gott ist durch seine Einheit, Ewigkeit und absolute Transzendenz (Durchdringung) der menschlichen Vernunft letztendlich nicht zugänglich.
Der Mensch besitzt eine Willensfreiheit, die er dem allmächtigen Schöpferwillen Gottes verdankt. Daher kann der Mensch von Gott zur Rechenschaft gezogen werden.
Der Gläubige hat die Pflicht, das Gerechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten. Nur so könnte der Islam seinen Anspruch gerecht werden, die "beste Gemeinschaft unter den Menschen" zu sein.

Man hat selbst an diesen wenigen Beispielen gesehen, dass es auch im Islam viele Unterschiede gibt. Doch es ist ein Fehler, wenn man versucht, diese Verschiedenheiten zu bekämpfen. Ich möchte daher mein Schreiben mit einigen Worten von Gotthold Ephraim Lessing beenden, der erkannte, dass wenn die Religion des Menschen natürliche Individualität als etwas Trennendes erachtet, dem "Schicksale menschlicher Mittel" unterliegen muss, d.h. dass "sie ihrer Absicht nicht allein öfters nicht entsprechen, sondern auch wohl gerade das Gegenteil davon bewirken" würde. Das "Mittel, welches die Menschen vereiniget, um sie durch diese Vereinigung ihres Glückes zu versichern", würde die Menschen zugleich trennen, sie würden "einander ebensowenig mit unbefangenem Gemüt begegnen können", "als blosse Menschen gegen blosse Menschen, sondern" stets "als solche Menschen gegen solche Menschen, die sich eine! n gewissen geistigen Vorzug streitig machen und darauf Rechte gründen, die dem natürlichen Menschen nimmermehr einfallen könnten".

Also: Ein gemeinsames Miteinander ist nicht nur gefragt, sondern auch notwendig.

(Inhalt)

 

Ein marokkanisches Rezept.

So kocht man ein Gericht namens Tscharrmilla (mit Hühnchen und Kartoffeln):

- Hühnchenfleisch (-brust in mundgerechte Stückchen geschnitten)
- Kartoffeln
- eine grüne Paprika-Schote
- einige Champignons
- eine Zwiebel (evtl. und zu größter Not auch Knoblauch)
- eine Dose pürierte Tomaten
- eine Dose Erbsen
- ein paar klein geschnittene Oliven
- bisschen Olivenöl
- eine Tasse Wasser
- und Gewürze, d.h.
- Curry (je nach Menge ein knapper bis gehäufter Esslöffel)
- Paprika (scharf und ungefähr ein halber Esslöffel)
- nach Bedarf Chili und bzw. oder Peperoni
- Salz und Pfeffer
- Safran (etwa eine halbe Kapsel - 0,05 g)
- kleingehackter oder gemahlener Basilikum
- zerkleinerte Petersilie
- nachdem man das Hühnchenfleisch angebraten und alles zusammen
  in einem großen Topf gekocht hat, benutzt man am besten Fladenbrot
  als Besteck (in der arabischen Welt isst man nämlich gemeinsam mit
  den Händen von einem großen Tablett oder Teller, da dies die Gleichheit
  und Verbundenheit der Menschen symbolisiert)

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(Ein schlechtes Foto: In Wirklichkeit sieht alles viel leckerer aus und
ein richtiger Muslim trinkt natürlich auch keinen Wein dazu!)

(Inhalt)

 

Impressum und Hinweise.

Die Idee zum Projekt hatte Robert Matthees, der - nach alter Tradition des Freiberg-Kollegs - somit auch die Leitung desselben zu übernehmen hatte. Er sammelte ein wenig arabische Lyrik zusammen, gestaltete diese Seite und bearbeitete die Themen Recht und Theologie-Gruppen. Jana Langhof beschäftigte sich mit der Rolle der Frau im Islam, Eric Schramm mit den religiösen Grundpflichten und Martin Weiße übernahm die Entstehungsgeschichte als auch die Verbreitung.

Das obere Bild (Seitenanfang) stammt aus Marokko und wurde mir, dem Robert, in Dresden vom Aziz Ghaouati geschenkt. Vielen Dank!
Das Foto vom marokkanischen Essen habe ich in meiner Wohnung aufgenommen.

Diese Internetseite darf gern ausgedruckt werden. Zitate aus den Texten oder Verbreitung des Materials ist mit entsprechender Quellenangabe selbstverständlich erlaubt.

(Inhalt)

 

Quellenangaben.

- Adel Theodor Khoury: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung.,
   Verlag Herder Spektrum, 2001
- Stefan Weidner (Herausgeber): Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung.,
   Verlag C. H. Beck, 2000
- Walter M. Weiss: Islam Schnellkurs., DuMont Buchverlag, 1999
- Evangelische Kirche Deutschland (Herausgeber): Die Bibel. Luther-Übersetzung.,
   Verlag Deutsche Bibelgesellschaft, 1999
- Gotthold Ephraim Lessing, Ion Contiades (Herausgeber): Ernst und Falk.,
   Insel Verlag, 1968
- Leo Winter (Herausgeber): Der Koran. Das heilige Buch des Islams.,
   Verlag Wilhelm Goldmann, 1959
- Johann Gottfried Herder: Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung
  der Menschheit. Beytrag zu vielen Beyträgen des Jahrhunderts.,
  Verlag Johann Friedrich Hartknoch, 1774

(Inhalt)

 

Linkliste.

- www.islam.de - mit Online Bibliothek, Links usw.
- de.wikipedia.org/wiki/Islam - Suchbegriff: Islam
- www.pmw.org.il - Palestinian Media Watch (Informationen über den und
  Bilder als auch Videos aus dem extremistischen Islam)

(Inhalt)